Puh, das war knapp!

Meine Bootsjungen und -Mädchen kamen auf dem Landwege zu mir. Hatte ich doch den Winter-, oder in meinem Alter kann man sagen, den Schönheitsschlaf beendet und strebte nun wieder danach, mit meinem Bug die Wellen der friesischen Seen zu durchbrechen.  Rumpf und Rigg juckten schon. Also erstellte ich ein Profil von mir und postete mich in einer dieser Kontaktbörsen im Internet. Es dauerte auch gar nicht lange, bis sich die ersten Interessenten einfanden.

Aber dann das: Da wollte mich doch jemand, wenn ich dann ein Kerl wäre, kastrieren! Der Kiel sollte ab, damit ich den Verkaufsstand einer Ausstellung verschönere! So sollte mein Ende also aussehen.

Wenn da nicht am Pfingstsamstag auch noch andere Menschen ihr Interesse an mir zeigten. Und ich wusste: Meinem Charme können die Neuen nicht widerstehen. Fand‘ ich die beiden Neuen ja nicht übel; na mal sehen. Auf jeden Fall besser als Kiel ab, oder? Kurze Zeit später klebte die Frau folgende Buchstaben auf meinen Rumpf: „Pingsterbrut“. Das ist das Mädchen, um das die Jungen zu Pfingsten herumtanzen und fröhliche Lieder singen. Das passt ja schon einmal.

Jetzt soll mich der Mann erst einmal einer gründlichen Rumpf-, Deck- und Mastküre (Ihr Menschen nennt das ja Mani- und Pediküre) unterziehen, bevor ich wieder in mein Element kann.

Klar ist ja, dass ich noch keine Fotos von mir im Internet dulde! Erst, wenn ich wieder ordentlich aussehe, dürfen andere einen Blick auf mich werfen. Das genieße ich dann auch.

Kann nicht mehr lange dauern, bis Ihr mich in voller Schönheit bewundern könnt, wenn dieser Mann nicht immer fremdginge in einem Büro, in dem er so viele Stunden verbringt…

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